Sommerzeit. Die Kunst der Pause.

Dieses Jahr konnte ich mir den wunderbaren Luxus leisten, meine Pause, meinen Urlaub zu Zeiten zu machen, bei denen noch nicht viele an Urlaub gedacht haben. Und in den letzten Wochen, als es dann für die meisten in den Urlaub ging, hatte ich das Privileg bei einigen Klienten zu hören, wie dieses „Raus aus dem Alltag“ funktioniert hat. Teils war es wirklich erlösend und teils mit Erwartungen überfrachtet und eher angestrengt.

Wenn man eine Umfrage starten würde, was einen wirklich guten Urlaub ausmacht, käme man sicherlich auf sehr unterschiedliche Antworten. Was für die einen das Meer ist, ist für die anderen ein wunderschöner Bach im Gebirge.  Die einen brauchen Luxus, die anderen wollen zurück zu den Wurzeln und lieben eine Reduzierung auf das Wesentliche. Es gibt aber eine Gemeinsamkeit. Die wurde mir zumindest immer wieder erzählt, wenn es um gelungenen Urlaub geht. Und die ist „Weg von allem!“. Für viele ist das der springende Punkt, der Unterschied, der unter den vielen unterschiedlichen Erlebnissen des Urlaubs wirklich den Unterschied gemacht hat. Eine verblüffend einfache Antwort: „Alles war so weit weg! Nichts hatte die Bedeutung, die es zuhause hatte.“ Ist das der Schlüssel, der entscheidende Unterschied, der aus einer einfachen Auszeit einen wirklich wirksamen Regenerationsprozess macht und eine tiefe Erholung ermöglicht hat?

Weit weg von allem!

Leider ist es mittlerweile für viele Arbeitnehmer und Freiberufler ein Klassiker, auch im Urlaub noch mit der Arbeit verbunden zu bleiben. Mal schnell die Mails zu beantworten oder über Facebook und WhatsApp und andere soziale Medien mit den Ereignissen und Anforderungen zuhause verbunden zu bleiben. Und das gilt nicht nur für den beruflichen Alltag. Freunde und Familie wollen ja auch an den Erlebnissen beteiligt sein.

„Aber das kann doch nicht so schlimm sein, mal eben zu sehen, was los ist.“

Doch, manchmal ist es das. Was da passiert: Es werden sogenannte „Anker“ gesetzt. Dieser Begriff aus der Hypnose bezeichnet einen Mechanismus, mit dem zwei Dinge verbunden werden, die erstmal nichts mit einander zu tun haben. Durch wiederholtes gleichzeitiges Erleben aber werden sie innerlich miteinander verbunden. Mit Kleinigkeiten, einzelnen Begriffen, Erinnerungsbildern oder Gegenständen wird so ein ganzes Bündel von Gefühlen, Gedanken und Bildern, quasi auf Knopfdruck, aktiviert. Das funktioniert zum Glück nicht nur auf belastende, sondern oft auch auf sehr schöne Weise. Auch hierzu kann der Urlaub als Beispiel dienen. Das Geräusch des Meeres, das Blau eines Sommerhimmels oder das Motorengeräusch eines kleinen Propellerflugzeugs können Erinnerungen wecken. Sie können all die vielen schönen Sommertage, die wir schon mal erlebt haben plötzlich lebendig werden lassen. Auch Urlaubsfotos, Mitbringsel oder „der Sommerhit“ haben oft diese Wirkung.

Das ist das, was wir mitnehmen können, was wir zurückbringen können aus schönen Urlaubszeiten. Natürlich schleifen auch diese Dinge sich irgendwann ab. Aber für eine ganze Weile, auch nach dem eigentlichen Urlaub, entfalten sie für viele ihre angenehme Wirkung.

Raum für positive Anker geben

Aber manchmal geht es darum den Alltag zu verlassen. Dann ist es nötig sich für neue positive, energetische Eindrücke zu öffnen und das Alte weit weg zu lassen. Keine Anker mitzunehmen, die uns erinnern. So wie Emails und unsere Kontakte auf Facebook oder anderen sozialen Medien das tun. In vielfältiger Weise ist mit einer Mail im Beruf, Anspannung Termindruck usw. verknüpft. Nachrichten im privaten Bereich sind oft mit Aufgaben, Pflichten, dem Alltag verbunden. Wenn wir den Anker dann berühren, tanzen die Neuronen in unserem Gehirn Polka. Sie schaffen alles her, was mit „beruflicher Mail“ oder mit „privater Nachricht“ verankert wurde. In diesem Beispiel eine ganze Palette voll arbeitsverbundener und belastender Emotionen und Gedanken.

Im Zusammenhang mit dem Arbeitsleben ist das Muster leichter zu erkennen. Es funktioniert aber auch mit der Verbundenheit zu unseren Lieben, die, wie alle Menschen, nicht immer lieb sind. Auch hier ist manchmal gut, eine echte Auszeit zu haben.

„Weg von allem“ trägt nicht mehr und nicht weniger als die Chance in sich, Körper und Seele wirklich baumeln zu lassen. Sie kann sich neu ausrichten, ohne die lautstarke Mahnungen alter Gewohnheiten. Vielleicht ist deutlich geworden: „Weg von allem“ hat nichts mit der realen, in Metern zu messenden Distanz zu tun. Es geht vielmehr um die innere Verknüpfung, die es für eine Weile loszulassen gilt.

Wenn Sie persönlichen Nutzen aus dieser Idee ziehen wollen, können Ihnen drei Fragen helfen:

Erstens: Was sind ihre Möglichkeiten für längere Ferien oder vielleicht auch einen Kurztrip, um das Alte, den Alt-Tag zu verlassen und sich wirklich neuen Eindrücken und Erlebnissen zu öffnen?

Zweitens, und um mögliche Stolpersteine zu erkennen: Was sind Ihre persönlichen Anker des Alltags?

Drittens: Wie können Sie die lösen, um sich wenigstens im Urlaub die frische Brise der Freiheit um die Nase wehen zu lassen.

Ich bin gespannt auf Ihre Ideen!

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